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Selfish Brain - macht Stress dick?

Sind Stressmanagement-Maßnahmen besonders effektive Strategien gegen Übergewicht?

Selfish Brain - macht Stress dick?

Selfish bedeutet übersetzt egoistisch, selbstsüchtig. Nach der Selfish Brain These ist das Gehirn egoistisch. Demzufolge sorgt das selbstsüchtige Gehirn dafür, dass es vorrangig mit Energie versorgt wird. Bevor der restliche Organismus Energie erhält, soll zunächst das Gehirn mit den notwendigen Energien versorgt sein. Der Anteil des Gehirns am Körpergewicht beträgt ca. 2 Prozent, sein Energieverbrauch beträgt allerdings ca. 65 Prozent am Energieverbrauch des gesamten Organismus. Dies entspricht ca. 130 g Glucose (Traubenzucker).

Die Selfish Brain These wurde 1998 von Achim Peters entworfen. Davor war man in der Wissenschaft von einer gleichberechtigten Versorgung von Körper und Gehirn ausgegangen. Eine zentrale Rolle spielten danach zwei Regelkreisläufe unter der Kontrolle des Hypothalamus, einer Region des oberen Hirnstamms, die in engen Grenzen reguliert werden. Diese beiden Kreisläufe sind zum einen der Fettregelkreislauf, der mit der "Lipostatischen Theorie“ beschrieben wird. Und zum anderen der Blutzuckerregelkreislauf, beschrieben in der „Glucostatischen Theorie“.

Diese beiden Theorien erklären Adiposita mit einer Störung in mindestens einem der Regelkreisläufe. Bestimmte Phänomene sind damit aber nicht zu erklären. So nimmt im Zuge von Fasten bspw. das Gewicht einiger Organe um bis zu 40 Prozent ab, das Gewicht des Gehirns bleibt aber nahezu unverändert.

Die Selfish Brain These nimmt nun die beiden Theorien als Basis und geht von einem weiteren Regelkreislauf aus, der diesen Kreisläufen übergeordnet ist. Dieser übergeordnete Kreislauf wird von den zerebralen Hemisphären gesteuert. Diese stellen sicher, dass die Energieversorgung des Gehirns immer Priorität hat. Diese werden deshalb in der Selfish-Brain-Theorie als zentrale Instanz für den Energiestoffwechsel angesehen.

Funktionsweise des übergeordneten Regelkreislaufs

Stellen die Sensoren der Hemisphären eine Unterversorgung des Gehirns mit Energie fest, sorgen diese für einen vermehrten Transport von Energie in Form von Glucose in das Gehirn. Dies geschieht durch Aktivierung und Stimulierung des sympathischen Nervensystems und des Hypothalamus-Nebennierenrindensystems. Dieses Vorgehen wird Brain Pull genannt und entspricht den Abläufen im Zuge einer Stressreaktion.

Diese Stressreaktion bewirkt vereinfacht gesagt die vermehrte Blutzuckerzufuhr zum Gehirn. Die Versorgung der Organe und Muskeln wird kurzfristig reduziert. Im Verlaufe der Stressreaktion wird auch das Stresshormon Kortisol ausgeschüttet, welches dann auf den Hypothalamus und die Amygdala zurückwirkt und kurzfristig den Brain Pull reduziert.

Erklärungsansatz der Selfish Brain These für Fettleibigkeit und Übergewicht

Die Sensoren im Gehirn melden zu wenig Energie. Das Gehirn macht Rabatz und löst quasi eine Stressreaktion aus. Dies funktioniert dann nicht mehr so effizient, wenn das Stresssystem niedrig reaktiv ist. Dieses Phänomen entsteht in Folge von längerem nachhaltigen Stresserleben, bei dem der Organismus sich sozusagen an die Stresssituation gewöhnt und dann die Stressreaktionen nicht mehr so stark ausfallen. Das Gehirn hat also Alarm ausgelöst und merkt, das wirkt nicht so richtig, es kommt nicht genügend Energie an. Das Gehirn meint nun, ok es ist wohl nicht mehr genügend davon im Körper vorhanden. Nun betreibt dass Gehirn den sogenannten Body Pull. Dabei sagt es seinem Besitzer "du hast Hunger. Iss!" Das ist aber ein Trugschluss, die Energie wäre eigentlich vorhanden, aber diese kommt eben nicht im Gehirn an. Nun schaufelt der Besitzer etwas in sich hinein. Das Gehirn löst eine Stressreaktion aus, doch von der Energie kommt aber wieder zu wenig im Gehirn an. Dem Körper wird also weiter Energie zuführt, die sich dann aber in Fettzellen ablagert, da diese vom Körper nicht benötigt wird.

Man spricht bei diesem Vorgang von einem sogenannten Stau in der Lieferkette. Es wird immer neue Energie in Form von Nahrung angefordert, die dann im Körper im Überfluss vorhanden ist, aber im Gehirn zu wenig ankommt.

Stressbewältigung - die Zauberformel für wirkungsvolles Abnehmen?

Wenn also dauerhaft erhöhtes Stresserleben zu diesem Stau in der Lieferkette des Energiesystems führt, wäre laut der Selfish Brain These Abnehmprogramme dann besonders wirkungsvoll, wenn diese einen deutlichen Schwerpunkt auf die Reduktion dieses Stresserlebens richten würden. Effektive Stressmanagement-Maßnahmen zur Reduktion der Stressbelastung und zur Erhöhung der Kompetenzen beim Umgang mit Stresssituationen sind hierfür prädestiniert.

Weitere Informationen: http://www.selfish-brain.org